Jakobsweg in Ungarn

Pilgern oder Fernwanderweg? - der Jakobsweg in Ungarn von Tihany nach Pannonhalma war für uns Drei eine Mischung aus Beidem. Das Dreierteam Kati, Hund Lotta und Thomas sind die etwa 115 Kilometer im Juni 2023 gelaufen.

Weshalb gerade dieser Pilgerweg in Ungarn?

Vorgeschichte

"Der Jakobsweg" hat mich schon immer gereizt. Bevor ich 2017 meine Camino in Spanien gelaufen bin, kannte ich auch nur den einen Jakobsweg - den Camino Francés.

Seit dieser Zeit hat mich das Thema nicht losgelassen. Ich durfte erfahren, dass es in Europa weit mehr als 10.000 km an offiziellen Jakobswegen gibt. Spanien über eine große Anziehungskraft auf mich aus, doch ebenfalls die Camínos in Portugal.

An Ungarn habe ich bis vor 4 Monaten gar nicht gedacht. Der ursprüngliche Plan war - Nach Portugal fahren und einen guten Teil des Camino Portugues zu laufen. Da wir mit Hund nicht fliegen können, bedeutet dies eine Autostrecke von knapp 6.000 km.

Nach reiflicher Überlegung war uns das einfach zu viel und wir haben Alternativen gesucht. Ungarn bot sich insofern an, als wir geplant hatten im Sommer die Familie meiner Frau zu besuchen.

Schnell fanden wir die Seite der ungarischen Jakobsgesellschaft, die die Betreuung der doch umfangreichen Jakobswege in Ungarn organisiert (ehrenamtlich).

Nach einigen Prüfung der Strecke, der Länge und des Profils entschieden wir uns für den Camino, der in Tihany startet und bis zum Kreuzungspunkt der unterschiedlichen Wege in Pannonhalma führt.

Die 5 Etappen des Wegs über etwa 115 km beschreibe ich detailliert weiter unten im Text.

Pilgerwege und Organisation in Ungarn

Offiziell kannst du dich für zwei Startpunkte entscheiden:

  • Den Null-Kilometer-Stein in Budapest am Ende der Kettenbrücke auf der Budaer Seite in Budapest.
  • An der Benediktiner-Abtei auf der Halbinsel Tihany auf der Nordseite des Balaton

Die Wege treffen sich in Pannonhalma in der Nähe von Györ und verlaufen von dort gemeinsam bis nach Bratislava, wo sie in die Slowakei übergehen.

Nach unserer erlebten Erfahrung können wir uns bei der Jakobsweggesellschaft in Ungarn nur herzlich bedanken. Dafür, dass sich in Ungarn nur wenige Tausend Menschen auf den Weg machen, im Gegensatz zu den etwa 160.000 Pilgern auf dem Camino Francés, ist die Organisation großartig.

Auf der Seite der Organisatoren findest du alle Etappen im Detail und der Möglichkeit den GPS Track herunter zu lade. Du bekommst eine aktuelle Liste aller Unterkünfte, die du im Vorfeld kontaktieren kannst.

Sie haben sogar einen eigenen Pilgerausweis kreiert, den es sich lohnt für 1.000 Forint (etwa 2,50 Euro) zu bestellen.

Ein herzliches Dankeschön an die Jakobusbruderschaft Ungarn g.e.V. für eure wunderbare und sehr hilfreiche Unterstützung.

Die Etappen des Weges von Tihany nach Pannonhalma

Für uns Drei war es am einfachsten, mit dem Zug nach Tihany zu reisen, da wir bei den Schwiegereltern in der Nähe von Budapest zu Besuch waren.

Etwa 14 Tage vor dem Urlaub kam meine Frau auf die geniale Idee, den Zug von Budapest nach Szántód (gegenüber von Tihany) zu nutzen und dort eine Nacht im Zelt zu verbringen.

Der Start für unseren Camino sollte die Fähre von Szántód nach Tihany sein. Das hat mich sofort begeistert. Wir fahren sozusagen der Sonne und dem Startpunkt mit der Fähre entgegen.

Der Punkt Ausrüstung kommt zum Schluss des Artikels. Hier will ich nur vorwegnehmen, dass wir komplett ausgestattet gepilgert sind. Wir hatten nur wenige Erfahrungen zu Mehrtageswanderungen mit unserem Hund Lotta.

Aus diesem Grund entschieden wir uns die Tour mit kompletter Zeltausrüstung zu machen. Verstaut haben wir das Ganze auf unserem Pilgerwagen "Benpacker" (hier mehr dazu). So wären wir in der Lage, an jedem Punkt eine Nacht zu verbringen.

Wenn du für dich diese Tour alleine planst, benötigst du weder Zelt noch Schlafsack und wirst einen Rucksack mit etwa 8 kg zu tragen haben.

Jakobswege in Ungarn - Zeltplatz Szántód

Den Abend in Szántód verbrachten wir in Ruhe und Beschaulichkeit. Wir haben den Sonnenuntergang über dem Balaton genießen können und schliefen voller Erwartung ein...

Jakobswege in Ungarn - Zeltplatz Szántód Sonnenuntergang

Der erste Tag von Tihany nach Nagyvászony

Etappe 1 Statistik

Durch den Anmarsch zum offiziellen Startpunkt zusätzliche 3 km, damit sind es gesamt etwa 27 km und damit die längste Einzelstrecke. Es sind 380 Meter aufwärts und 290 Höhenmeter bergab zu bewältigen.

Ich war wohl etwas unruhig und bin bereits 4 Uhr aufgewacht. Was könnte ich Besseres tun, als im Balaton zu baden und den Sonnenaufgang zu genießen.

Jakobswege in Ungarn - Zeltplatz Szántód Sonnenaufgang

Dieser Sonnenaufgang war spektakulär. Das Wasser sah aus wie flüssiges Metall, ich hatte gleichzeitig das Empfinden von Ruhe und unglaublicher Kraft.

Wir wollten die zweite Fähre um 7:20 Uhr für die Überfahrt nehmen. Trotzdem wir alle zeitig auf den Beinen waren, wurde es dann doch knapp - Wir haben es geschafft.

Jakobswege in Ungarn - Fähre nach Tihany

Der Startpunkt des Weges - die Abtei von Tihany - ist von der Fähre leider nicht zu sehen. Es sind zusätzliche 3 km Fußmarsch bis zur Abtei.

Jakobswege in Ungarn - Abtei auf Tihany

Auf den ersten Blick ist an der Abtei kein Zeichen für den Beginn des Jakobsweges zu finden. Unsere Frage an einen Mönch brachte zu unserem Erstaunen kein Ergebnis. Die Abtei scheint nur wenig darüber zu wissen, dass sie Ausgangspunkt eines Pilgerweges ist. Interessant...

Die folgenden Zeichen findest du mit einiger Übung und Achtsamkeit (die durften wir trainieren) auf dem gesamten Weg. Die Nase am Zeichen zeigt dabei immer in die zu laufende Richtung.

Jakobswege in Ungarn - Wegkennzeichnung
Jakobswege in Ungarn - Wegkennzeichnung

Die Strecke des ersten Tage ist landschaftlich sehr abwechslungsreich. Die ersten Kilometer läufst du quer über die Halbinsel Tihany, welche durchaus recht bergig ist. Immer wieder erhaschst du einen Blick auf den Balaton, läufst durch Weinhügel und andere Felder.

Jakobswege in Ungarn - über Felder
Jakobswege in Ungarn - Apáti-Hegy

Der steilste Anstieg der Gesamtstrecke bis nach Panonhalma zum Apáti-Hegy wird auch gleich an diesem Tag abverlangt. Hier verpassen wir wohl einen Abzweig und laufen zusätzliche 1,5 km.

Durch diesen kleinen Umweg kommen wir unterhalb des Berges zu einer winzigen Kirche, an der ein angenehmer Service angeboten wird.

Jakobswege in Ungarn - Bodza Angebot

Bodza ist ein Sirup, welcher aus der Blüte des Holunders hergestellt wird. Dieses Getränk schmeckt sommerlich frisch und hier konntest du dich laben. Typisch ist Bodza für Ungarn und Österreich.

Im nächsten Ort finden wir wieder Anschluss zum Weg und tauchen ein in ein Meer aus Gras. Teilweise sind die Grasstände mannshoch, sodass Kati darin verschwindet. Der Weg ist nur 30 cm breit und ich muss mit dem Wagen am Hintern ziehen wie ein Pferd - anstrengend, aber interessant.

Jakobswege in Ungarn - im Gras
Jakobswege in Ungarn - im Gras

Das war jedoch nicht die größte Herausforderung für uns. Die Woche vorher hatte es unglaublich geregnet, sodass wir überall auf Schlamm und gigantische Pfützen trafen, welche durchquert bzw. überwunden werden mussten.

Jakobswege in Ungarn - Pfützen
Jakobswege in Ungarn - Pfützen

Die Versorgung ist definitiv herausfordernder als auf dem Camino Francés. Die Ortschaften auf dem Weg sind dünn gesät und nicht jeder Ort hat eine Einkaufsmöglichkeit.

Dies ist nicht wirklich ein Problem, aber wir mussten uns darauf einstellen. So war es wichtig, dass wir zu dritt 5 Liter Wasser für die Tagesetappen dabei hatten. Die Menge haben wir nicht jeden Tag aufgebraucht, doch an zwei Tagen hat es uns "gerettet".

An diesem Tag haben wir das "Frühstück" gegen 13 Uhr eingenommen, da erst um diese Zeit uns ein Lebensmittelladen "über den Weg lief".

Jakobswege in Ungarn - Frühstück

Wenn du so richtig Knast hast, dann schmeckt alles köstlich. Selbst der Cappuccino aus Pulver erscheint dir wie göttliches Labsal.

Die wohl schönste Gaststätte des gesamten Weges haben wir in Vászoly besucht. Der Name "Zómanc Lisztroczká" (Kochkessel) ist etwas irreführend. Sie hatten definitiv den genialsten Cappuccino, den wir in Ungarn je getrunken haben.

Jakobswege in Ungarn - der beste Cappuccino in Vászóly

Die Bedienung war von Lotta so begeistert, dass sie Wasser und Liegeunterlage an den Tisch brachten und sie in allen möglichen Posen fotografiert haben. Lotta liebt solche Vorstellungen.

Jakobswege in Ungarn - echte ungarische Rinder

Wie fühlst du dich, wenn du einem Lebewesen gegenüber stehst, welches 600 oder 700 Jahre alt ist? Kurz vor Nagyvászony wandern wir durch einen Eichenwald. Manche der Bäume sind unglaublich groß und alt. Leider plagen uns Schwärme von Mücken, sodass wir das Weite suchen.

Jakobswege in Ungarn - uralte Eichen

Unmittelbar vor Nagyvászony kommen wir aus dem Wald raus. Die Landschaft wird weit und erlaubt den Blick auf die morgige Etappe. Noch hoffe ich, dass der Berg mit der Sendestation von uns nicht überwunden werden muss. Na ja...

Jakobswege in Ungarn - der nächste Berg

Der Abend klingt nach etwas mehr als 28 km bei einer echt ungarischen Pizza aus, die mir brutal schwer im Magen liegt. Wir sitzen an den Überresten einer uralten Burg.

Jakobswege in Ungarn - Ausruhen am Abend

Ein Ritual, welches uns jeden Abend beschäftigt - das Pflegen der Füße bzw. der Pfötchen mit Hirschhornsalbe. Dies habe ich auf dem Jakobsweg über 900 km täglich praktiziert und KEINE Blase mit nach Hause gebracht.

Was wir auch empfehlen können - Nutze für deine beanspruchte Muskulatur der Beine den Magnesium-Liquid-Spray vom MG-Life. Auch dies durfte ich auf dem Jakobsweg ausgiebig testen. Schwere Beine werden wieder weich und sind komplett ohne Muskelkater am nächsten Tag einsatzfähig.

Jakobswege in Ungarn - Fuß- und Pfötchenpflege

Der zweite Tag von Nagyvászony nach Városlöd

Etappe 2 Statistik

Dieser Tag führt uns über etwa 22,7 km durch wunderschöne Natur. Es sind 350 Meter aufwärts und 330 Höhenmeter bergab zu bewältigen.

Was wir am Vortag gelernt haben - Verpflegung ist Schwerpunkt - setzen wir heute gleich um. Wir stehen kurz vor 6 Uhr auf, 25 Minuten später starten wir zum COOP Laden. Diese Kette findest du in ganz Ungarn. Öffnungszeit 6:30 Uhr.

Wir kaufen alles ein, was wir für das Frühstück benötigen. Dies sind i.d.R. pro Person 2 Kipfli, Käse, Tomate, Gurke, Paprika, eine Flasche Kefir und ein eisgekühlter Láte. Dies wird in den Tagesrucksäcken verstaut.

So vorbereitet beginnt für uns der zweite Tage auf dem Camino Tihany - Panonhalma.

Am Stadtende treffen wir den ersten Pilger - Balas aus Budapest - er läuft den Weg allein, da seine Frau anderweitig gebunden ist. Irgendwie selbstverständlich schließt er sich uns an. Er ist ein angenehmer Pilgergefährte.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Balas

Verständlicherweise sind die Gespräche zwischen Kati und Balas tiefer, als mit meinem Pigin-Ungarisch.

Wieder viel Landschaft, große Weite und Freiheit im Blick.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Weite

An diesem Tag sehen wir zum ersten Mal das für den Camino in Spanien typische Wegzeichen. Dies findest du dort in Massen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Wegkennzeichnung

Heute können wir noch viel besser nachvollziehen, wie es die Tage vor unserem Start in dieser Region geregnet haben muss. Die Waldwege sind zum Teil nicht passierbar, sodass wir auf die Wiesen ausweichen müssen. Vermutlich sind die Pilger der letzten Woche eher geschwommen, als gelaufen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Schlammige, zum Teil unpassierbare Wege
Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Schlammige, zum Teil unpassierbare Wege

Und doch ist es irgendwie genau DAS, was wir wollten. Ursprünglichkeit, Herausforderung, blühende und unglaublich grüne Natur.

Zwischendurch verlieren wir Balas aus den Augen. Die Lunge ist in der frischen Luft überfordert und verlangt nach einer Zigarette.

Wir wollen einen schönen Platz für das Frühstück und laufen bis zur nächsten richtigen Lichtung. Dies hat zwei Gründe - zum einen sind in der Sonne keine Mücken und es lässt sich gemütlicher ruhen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - die Frühstückslichtung

Wir haben das am Morgen gekaufte Frühstück, Lotta bekommt geriebene Gurke und ein paar Leckerli.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - die Frühstückslichtung

Die Wege sind prinzipiell gut markiert, doch es gibt Abschnitte, in denen du nichts findest. In der Vorbereitung hatte ich mir die Tagesetappen als GPS Daten von der Organisationsseite heruntergeladen und in "Outdooractive" und "Komoot" als Etappen angelegt.

Leider ist es so, dass beide Programm nicht alle Wege kennen bzw. beim Einfügen der Tracks interpolieren. Dies führte dreimal dazu, dass der Weg in der App und die Führung der Kennzeichen auseinander lief.

So hatten wir fast jeden Tag ein paar "Friedenskilometer", die zur Strecke addiert werden mussten.

Der nächste Ort ist Úrkút. Hier wurde früher Mangan abgebaut. Zeichen der Gruben findest du heute noch. An dem Punkt, an dem wir den Ort betraten, war ein heiliger Brunnen mit Trinkwasser.

Als wir unsere Flaschen auffüllten, werden wir in deutscher Sprache angesprochen. Eine wohl 80 Jährige begrüßte uns in echtem Schwäbisch. In diesem Ort sind vor etwa 200 Jahren einige Familien aus Deutschland heimisch geworden.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Schwäbische Begrüßung

Auch heute noch wird Deutsch in vielen Familien gesprochen und in der Schule gelehrt.

Die letzten Kilometer nach Városlöd, dem Tagesziel verlaufen durch wunderschönen Buchenwald, zum Teil werden die Wege wirklich eng.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - wie kleine Tunnel
Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - wie kleine Tunnel

Pilger, die uns entgegenkamen (sie liefen den Weg andersherum) hatten uns noch vor einer Überraschung kurz vorm Etappenziel "gewarnt". Und richtig, fast am Ende eines schmalen Pfades vor dem Ort war eine große Buche so umgefallen, dass sie den Weg komplett zugemacht hat.

Wir mussten alles vom Wagen abnehmen und einzeln durch diese Stelle tragen. Hier konnte Balas uns super helfen.

Die Unterkunft in Városlöd hatten wir in einer vom Staat geförderten kleinen Herberge gebucht. Wir wurden kurz davor von der Herbergsmama empfangen. Eine kleine, quirlige und super nette Frau stand schon auf der Straße und hielt Ausschau nach uns.

Insgesamt hatte diese Unterkunft 18 Betten (einmal 8 und dann 10 im Schlafsaal). Wir waren komplett allein und durften die sehr ansprechende Herberge für uns nutzen. Wir genehmigten uns Nudeln mit Tomatensauce, das auf jedem Camino wohl am häufigsten gekochte Gericht.

Jakobswege in Ungarn - Tag 2 - Unterkunft in Városlöd

Der dritte Tag von Városlöd nach Bakonbél

Etappe 3 Statistik

Dieser Tag hielt nur 18,2 km für uns bereit. Es sind 260 Meter aufwärts und 270 Höhenmeter bergab zu bewältigen.

Am dritten Morgen treffen wir uns 6:30 Uhr vor dem allgegenwärtigen COOP zum Frühstückseinkauf mit Balas. Für heute hatten wir uns für eine gemeinsame Etappe verabredet.

Balas hat für seine Pilgerwege ein eigenes Zeichen entwickelt und bringt diese an den unterschiedlichen Stellen auf dem Weg an.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Balas Pilgerzeichen

Die ersten drei Kilometer laufen wir eine Hauptstraße entlang, bis wir endlich in den Wald abbiegen dürfen. Ein kürzeres Stück schmaler Weg und wir stehen vor einer Weidekoppel. Der Bauer hatte von seiner Kuhweide etwa 30 cm zugewachsenen Weg für die Pilger freigehalten.

Zu Fuß mit Rucksack kein Problem, doch wenn du einen Pilgerwagen am Hintern hast, der auch noch mehr als 50 cm breit ist, dann wird es eng.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - neben der Kuhweide
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - neben der Kuhweide

Zum Glück war dieses Stück nur etwa 800 Meter lang, dann konnte ich auf die "unbewohnte" Weide ausweichen.

Der folgende Rastplatz an einer kleinen Kapelle entschädigte uns wieder, wir konnten den Ausblick und die Beschaulichkeit genießen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Rast an der Kapelle
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Rast an der Kapelle

Wenn wir irgendetwas essen, dann fühlt sich Lotta berufen, alle möglichen Fressschädlinge, dies können auch andere Pilger sein, von uns fernzuhalten. Wir waren gerade bei Frühstücken, da kamen drei Pilgerinnen auf uns zu uns wurden von Lotta unmissverständlich begrüßt - Haltet euch fern.

Kati konnte die "Worte" von Lotta "übersetzen", sodass die Drei sich zu uns gesellen konnten. So vergrößerte sich unsere Gruppe für die nächsten Kilometer auf 7 Pilger.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - die Pilgergruppe wächst

Die drei Frauen verloren wir recht schnell, da sie ein deutlich langsameres Tempo hatten.

Die folgende Wälder bestanden zum großen Teil aus Erlen und Ahorn, später Buchen. Vorteil für uns, wir bewegten uns fast immer im Schatten, was vor allem für Lotta ein Geschenk war.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - schattige Wälder
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - schattige Wälder

Ungarn scheint eine aktive Forstwirtschaft zu haben. Als wir gemütlich über einen breiten Weg stapfen, kommt hinter uns ein typischer Urlauber-Zug daher. Die Menschen darin schienen alle eine Uniform zu tragen.

Später stellte sich heraus, dass dies alles Förster waren, die für eine Weiterbildung durch den Wald gekarrt wurden.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - der Förster-Zug

Steinkreis in Ungarn? Das nächste Highlight folgte auf den Fuß - ein echter Steinkreis, der 2014 auf einer Lichtung errichtet wurde. Die Initiatoren berichten darüber, dass Steinkreise dieser Art weltweit zu finden sind.

Was stellt es wirklich dar? Kann man diese Energie spüren?

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Steinkreis
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Steinkreis
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Steinkreis
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Schmetterling
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Schmetterling
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Schmetterling

Es ist nun nicht mehr weit bis zum Tagesziel. Der Weg zieht sich immer noch durch endlose Wälder. Einen weiten, freien Blick hatten wir heute nicht, aber wirklich beeindruckende Waldgebiete durchquert.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Wege von breit bis schmal
Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Wege von breit bis schmal

Mit solchen Hindernissen scheint der Pilger immer wieder mal rechnen zu müssen. Zum Glück war diesmal das komplette Leermachen des Wagens nicht notwendig.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Weghindernis

In Bakonbél angekommen, holten uns die Förster wieder ein. Sie kamen eben mit dem Reisebus an und wurde vom Pfarrer des beeindruckenden Klosters begrüßt. Dieser sprach wohl über die Erfahrungen des Klosters hinsichtlich der umgebenden Wälder.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Begrüßung in der Kirche

An dieser Kirche trennten sich die Wege mit Balas. Er will am nächsten Tag einen Abstecher nach Zirc machen, was außerhalb des Caminos liegt, um einen Freund zu besuchen.

Wir beziehen Quartier Nummer 3 - die Pension "Mandala Haus" und haben hier das Zimmer "Szeretet" (Liebe) gebucht. Wie passend.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Liebe

Obwohl es nur knappe 19 Kilometer waren, spüren wir die vollbrachte Leistung. Lotta ist komplett breit.

Jakobswege in Ungarn - Tag 3 - Lotta ist ziemlich kaputt

Wir genehmigen uns ein Eis, füllen die Vorräte an Essbarem für das Abendbrot auf und genießen ein einfaches Abendbrot.

Ich hatte bereits auf dem Jakobsweg in Spanien die Erfahrung gemacht, dass wir zwar den ganzen Tag laufen und manchmal wirklich anstrengende Passagen überwinden, doch der Hunger ist gar nicht so groß. Unter dem Strich essen wir deutlich weniger als zu Hause.

Woran liegt das? Versorgt uns die wundervolle Natur mit Energie? Oder andersherum - wird uns in dieser Umgebung weniger Energie entzogen? Wohl eher das Zweite.

Die körperliche Anstrengung ist nicht der große Energieräuber, sondern eher unser "modernes", lautes uns stressiges Leben. Was meinst du?

Der vierte Tag von Bakonbél nach Bakonyszentlászló

Etappe 4 Statistik

Dieser Tag hielt wieder nur 20,4 km für uns bereit. Es sind 290 Meter aufwärts und 350 Höhenmeter bergab zu bewältigen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - Start am Mandala House

Lotta und ich warten vor unserer Pension auf Kati, die in verschiedenen Geschäften unser Frühstück zusammenkauft. Der Ort macht einen guten Eindruck auf uns, doch heimisch werden könnte ich hier nicht.

Was wir zwar erwähnt haben in unseren Gesprächen, doch nicht bis zum Ende bedacht haben - heute ist Samstag. Samstag bedeutet, dass die Läden auf dem Land nur bis 13 Uhr geöffnet sind. Der Ort, welcher unser nächstes Ziel ist, muss definitiv als "auf dem Land" bezeichnet werden.

Nach zwei Tagen, die wir komplett im Wald gelaufen sind, folgt heute der erste Tage, an dem einige Strecken ohne Schatten zu bewältigen sind. Es ist heiß und wir wissen, dass Lotta durch das schwarze Fell brennende Sonne weniger gut wegstecken kann.

Doch zu Beginn geht es wieder durch wundervolle Buchenwälder.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - schattige Buchenwälder
Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - schattige Buchenwälder

Was jetzt komplett fehlt, sind kleine Bäche, in denen Lotta die Füße abkühlen kann. Dies war an den ersten drei Tage gar kein Problem, sie hat immer etwas gefunden, wo sie sich hineinstellen konnte.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - schattige Buchenwälder

Sobald du aus dem Wald heraus kommst, spürst du die Kraft der Sonne. Der Boden, egal ob Sand oder Asphalt, ist richtig heiß. Wir lassen Lotta immer auf der Seite mit Gras oder ähnlichem laufen.

Zwar haben wir "Schuhe" für Lotta dabei, diese wollen wir nur im Notfall nutzen, da sie doch das Laufen etwas schwerer machen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - Schatten weg
Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - Schatten weg
Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - vor Fenyöfö wird es offen

Wir freuen uns, dass zwischen Fenyöfö und Bakonyszentlászló der Weg wieder durch den Wald verläuft. Trotzdem sind die Veränderungen zu spüren. Hatten wir die Tage vorher immer das Gefühl, der Boden sei feucht und kühl, ist es jetzt trocken und heiß, selbst im Wald.

Kurz vor Bakonyszentlászló überqueren wir ein mit unglaublich vielen Kamillenblüten.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - Kamillenblüten
Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - Kamillenblüten

Der letzte Kilometer vor unserer nächsten Bleibe bringt noch ein paar wunderschöne Ausblicke.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - der letzte Kilometer
Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - der letzte Kilometer

Als wir ankommen , sind auf dem Grundstück bereits mehrere Familien mit kleinen Kindern. Wir sind total happy, dass wir ein separates kleines Häuschen für uns haben. Es ist mit Lotta schon einfacher und sie kann sich freier bewegen.

Jakobswege in Ungarn - Tag 4 - unser Häuschen

Ankunft 13:05 Uhr - alles zu. Wie am Anfang erwähnt, sind wir essenstechnisch komplett abgebrannt. Wir haben zwar noch ein fast komplettes Brot, doch das war's dann auch schon. Morgen soll Sonntag sein, dafür haben wir nicht, der Abend muss auch noch überstanden werden.

Zum Glück gibt es (wieder) eine echt ungarische Pizzeria (Italiener scheint es in Ungarn nicht zu geben), die allerdings wirklich schmackhaftes Essen zubereitet - Wir sind gerettet.

Der fünfte Tag von Bakonyszentlászló nach Pannonhalma

Etappe 5 Statistik

An diesem Tag sollen es 25 km werden. Es sind 230 Meter aufwärts und 280 Höhenmeter bergab zu bewältigen. Wir laufen viel Asphalt und die letzten 10 km offene Fläche, also kaum Schatten.

Wir wissen schon am Morgen - heute wird es heiß. Die Nacht hatte etwas abgekühlt, doch die Luft fühlt sich bereits am Morgen warm an.

Zu Glück hat der Eintrag zur sonntäglichen Öffnungszeit des Lebensmittelladens gestimmt und wir können das Nötigste einkaufen. Lustigerweise laufen wir wenige hundert Meter am zweiten offenen Lebensmittelladen vorbei. Wir sind vorerst gut gerüstet.

Der beginnende Weg ist so richtig schön sandig. Der Wagen, welcher an mir dranhängt, fühlt sich zäh an, fast, als ob ein Gummiband ihn zurückhält. Das kann lustig werden.

Jakobsweg in Ungarn - Tag 5 - Sandwege

Nach einer kurzen Strecke über freie Felder nimmt uns ein lichter Wald auf, was definitiv angenehm ist. Kurz bevor wir den Wald erreichen, springen im Getreidefeld schwarze Punkte umher. Es ist nicht auszumachen, ob es Hunde oder Wildschweine sind.

Jakobsweg in Ungarn - Tag 5 - Wieder im Wald

Rechts von uns scheint ein Jagdgebiet zu sein. Die Abgrenzung ist anders, als wir sie bisher gesehen haben. Als sich der Weg weitet, sehe ich vor uns eine stattliche Rotwildkuh. Deutlich größer als unsere Rehe und ein wunderschönes Rotbraun.

Ich glaube, wir schauen uns ein paar Sekunden in die Augen, dann trollt sie sich. Vielleicht habe ich sogar ein Kopfschütteln wahrnehmen können - sie hat wohl den Wagen an meinem Hintern sehen können.

Hm, ein Tier, was komische Farben aufweist und anstatt der Hinterhufe mit zwei runden Dingern - Was es alles so gibt...

Nun, es ist Sonntag. Wir finden kurz vor 10 eine leidliche Stelle zum Frühstücken, wir haben nicht viel, aber es reicht so.

Auf einmal sehe ich einen Mann, der einen Sechserpack Wasser durch die Gegend schleppt. Den muss er irgendwo herhaben. Ihm folgt eine Frau mit Kinderwagen, die auch eine volle Tasche hat. Wo ist der Laden?

Punkt 10:00:01 Uhr erreichen wir den Laden, der von der Verkäuferin gerade geschlossen wird. Auf unsere Frage, ob 10 Sekunden für uns hätte, kommt nur "Sie sehen doch, dass geschlossen ist." Wir nicken verständnisvoll.

Ok, auf gehts - weiter an Feldrainen entlang, bis wir wieder auf Wald stoßen.

Jakobsweg in Ungarn - Tag 5 - Wieder im Wald

Die Wälder sind deutlich jünger, als die Tage davor. Kati will dichter zu mir aufschließen, da es im Wald sehr vernehmlich geknackt hat. Zwar hat sie die Rotwildkuh nicht gesehen, meine Erzählung war wohl zu heftig.

Der Weg wird zur Straße und die Sonne steht senkrecht über uns - trotz Wald kaum Schatten. Lottas Zunge wird immer länger und es gibt keinen Bach zum Kühler der Pfötchen.

Jakobsweg in Ungarn - Tag 5 - Wieder im Wald

Wie du sehen kannst, das Ende dieser gut besonnten Straße ist nicht zu sehen. Nach weiteren 3 Kilometern eine Kreuzung mit einem Tisch und Sitzgelegenheiten.

Gerade jetzt kochen wir alle Drei innerlich. Wir lassen erst einmal alles fallen und machen uns über die letzten Wasservorräte her. Irgendwoher muss Ersatz kommen.

Jakobsweg in Ungarn - Tag 5 - Wieder im Wald

Es sollte allerdings weitere 4 Kilometer dauern, bis dieser Wunsch in Erfüllung ging. Zum Glück wechseln wir noch einmal in einen Wald, der etwas Schatten bieten konnte. Mehrmals laufen wir durch solche interessanten "Schluchten". Wir haben keine Idee, wie diese entstanden sind.

Jakobsweg in Ungarn - Tag 5 - Hohlwege im Wald

Kurz vor Ravazd biegen wir einmal falsch ab und laufen anstelle eines Waldwegs eine Asphaltstraße in brütender Wärme. So langsam kommt Lotta an ihre Grenzen. Ein kleines Stück vor dem Ort blieb etwas von einem uralten Pflasterweg erhalten.

Wenn du genau hinhörst, dann spürst du noch die alten Fuhrwerke, die über diese Straße ihre Steuerabgaben in Richtung Kloster Pannonhalma geschleppt haben.

akobsweg in Ungarn - Tag 5 - alte Pflasterstarße

Wir kommen noch genau bis zur Kirche des Ortes, dann müssen wir auf einer schattigen Bank rasten, dies allerdings ist ohne Wasser nicht sehr erquicklich. Also gehe ich in die Kirche und öffne alle Türen, um an einen Wasserhahn zu kommen.

Irgendwann haben meine Geräusche eine alte Dame aufgeschreckt, die gerade sauber gemacht hat. Der erste Blick war eher wie ein Blitz - Hebe dich hinweg du Dieb.

Doch als ich ihr meine leere Wasserflasche zeigte, lief sie nach Hause und hat die Flasche gefüllt. Wir waren davon sehr berührt und dankbar.

akobsweg in Ungarn - Tag 5 - Wasser von der Kirche

Von dieser Bank an haben wir uns mit Lotta von Schattenfleckchen zu Schattenfleckchen gekämpft. Wir konnten spüren, dass die Kleine mächtig zu kämpfen hatte.

akobsweg in Ungarn - Tag 5 - Schatten

Gar nicht weit, dann war es mit dem Schatten vorbei. Freies Feld und brütende Sonnen. Wir haben versucht sie ein wenig zu tragen, auf den Wagen zu legen, das klappte alles nicht.

akobsweg in Ungarn - Tag 5 - ohne Schatten
akobsweg in Ungarn - Tag 5 - ohne Schatten

Auf dem Bild kannst du das riesige Kloster von Pannonhalma sehen. Hier wurden Könige gekrönt und auch noch heute Eheschließungen von "Persönlichkeiten" gefeiert. Ja, sie ist schon reich, diese Kirche.

Für uns und vor allem Lotta bedeutet es das Ende der Anstrengungen des heutigen Tages. Unterhalb des Klosters liegt der sehr lichte Ort Pannonhalma. Von hier bis zur Pension "Familia" waren es noch überschaubare 2 km.

akobsweg in Ungarn - Tag 5 - angekommen

Zuerst haben wir Lotta mit einem feuchten Handtuch etwas runtergekühl. Vor allem die Pfötchen haben wir in dieses feuchte Tuch gewickelt. So richtig kam sie an diesem Tag nicht mehr auf die Beine.

Da auch wir ziemlich breit sind, bestellen wir uns ein Abendessen aus einem Dönerladen, die auch lecker klingende vegetarische Gerichte anbieten. Wir bestellen so viel, dass wir schier platzen.

Was wir an diesem Abend noch nicht wussten, dass es das Abschiedsessen für den Jakobsweg werden wird.

akobsweg in Ungarn - Tag 5 - angekommen

Gute Nacht, ruht euch aus bis morgen.

Am nächsten Morgen stehen wir sehr zeitig auf, um der Tageshitze zu entkommen. Heute sollen 39 bis 40 Grad werden.

Lotta und ich warten auf einer taufeuchten Wiese, bis Kati vom Frühstückseinkauf zurückkommt. Wir verstauen alle und laufen los.

Wir schaffen es genau bis zum Ortsausgang, dort geht Lotta in den Generalstreik. Nichts kann sie bewegen - keine Leckerli, gut Zureden oder ein vorsichtiges Ziehen an der Leine. Sie steht einfach nur da und schaut uns an.

Vom Grunde her wussten wir es - sie kann und sie will nicht mehr und es ist gut so. Als wir zurücklaufen in Richtung Ortsmitte, ist ihre Dankbarkeit für uns körperlich zu spüren. Es ist schon unglaublich, was eine Hundeseele ausdrücken kann und wie wir Drei zusammen gehören.

So nahmen wir zum ersten Mal ein gutes Frühstück ein, ohne vorher einige Kilometer zu laufen. Danach pilgerten wir langsam zum Bahnhof. Der folgende Zug kam bereits nach einer knappen Stunde.

Die Fahrt nach Györ und dann weiter nach Budapest verlief angenehm in einem gut temperierten Zug.

Die Ankunft in Budapest war für uns ein echter Kulturschock. Budapest ist laut, es stinkt nach Abgasen und Smog, die Menschen hasten durch die Gegend und sehen ihren Gegenüber nicht. Alles ist nur darauf bedacht - zu funktionieren.

Ist das die "Normalität" in die wir wieder eintauchen wollen?

Welche Erfahrungen durften wir machen

War es nun ein echter Jakobsweg oder nicht? Sind wir gepilgert oder haben wir einen anstrengenden Fernwanderweg in Ungarn gemach?

Irgendwie war es beides. Der Rahmen, die Wegzeichen, die Herbergen und die Stimmung allgemein lassen mich sagen - Wir sind gepilgert. Was gefehlt hat und was ich vom Jakobsweg kannte, war das In-sich-gekehrt-SEIN, die Beschäftigung mit mir selbst in den langen Abschnitten des Alleine-SEINS auf dem Camino.

Auch Kati hat mir das gesagt, das hat sie etwas vermisst. Ja und ich kann dies nur bestätigen. Auf dem Jakobsweg 2017 war ich sehr gerne alleine, mit mir selbst.

Insofern hatte es einige Aspekte eines gemeinsamen Fernwanderweges. Auch diese Seite hat uns wunderbare Momente beschert.

Wie fasse ich die Erfahrungen zusammen:

  • Die Organisation auf der ganzen Strecke ist wirklich super. Die Menschen geben sich unglaublich Mühe, dir ein perfektes Erlebnis zu schenken. Nicht weil sie daran verdienen, ich bin mir sicher, es kommt aus dem Herzen.
  • Willst wirklich den Sinn und das Gefühl eines echten Caminos erfahren, dann bist du auch in Ungarn richtig, aber du musst (solltest) es alleine machen.
  • Du kannst diesen Weg mit einem gesunden und ausdauernden Hund gut und ohne Schaden für das Tier machen. ABER, DU muss wissen, was du (an)tust. Ich bin mir heute sicher, diese Verantwortung jetzt besser einschätzen zu können, als vor dem Weg.
  • Für deine persönliche Organisation solltest du vorher die Herbergsliste herunterladen und auf jeden Fall in der Urlaubssaison deine Übernachtungen vorbestellen. In Ungarn laufe in der Ferienzeit viele Gruppen von Jugendlichen und Schülern, sodass die Quartiere oft gefüllt sein werden.
  • Hast du es gut vorbereitet, dann wird dein Rucksack etwa 8 kg wiegen. Das schaffen Mann und Frau ohne Probleme. Zur Ausrüstung findest du Tipps im nächsten Punkt.
  • Nimm dir auf jeden Fall im Sommer ausreichend Wasser für den Tag mit. Bereits auf dem Jakobsweg in Spanien hatte sich bewährt - Du kaufst am ersten Tag eine 1,5 Liter Flasche. die trinkst du aus und füllst sie wieder mit Leitungswasser. Bitte keine Cola oder ähnliches.
  • Für die Verpflegungsplanung beachte die örtlichen Lebensmittelläden mit den typischen Öffnungszeiten. Montag bis Freitag 06:30 Uhr bis sicher 18:00 Uhr (in größeren Ortschaften auch 20:00 Uhr). Samstags, 06:30 Uhr bis 13:00 Uhr. Sonntag einige wenige 06:30 Uhr bis etwa 10:00 Uhr. Die Auswahl ist fast immer gut und ausreichend.
  • Gaststätten und Bierkneipen findest du in jedem Ort in jeder Qualitäts- und Preisstufe. Hier variieren die Öffnungszeiten stark.
  • Ungarische Pizza ist etwas komplett anderes als italienische Pizza.

Was hatten wir an Ausrüstung dabei

Ein Dreierteam, von dem nur zwei wirklich tragen können, war die eine Herausforderung. Die Sicherheit, mit Hund in Unterkünfte zu kommen, die Zweite.

Benpacker - Dreitage-Test auf der Oberlausitzer Bergweg

So haben wir uns recht früh entschieden, uns Unterstützung zu holen und haben uns einen Trekkingwagen zugelegt. Willst du mehr zu diesem Trekkingwagen wissen, dann stehen dir zwei Artikel hier auf dem Block zur Verfügung:

Freude im Leben, gesunde Bewegung, Jakobsweg, Reiseausrüstungen, Reisen

BENPACKER – Dreitagestest unter schweren Bedingungen

Wie kannst du deine persönliche Leistungsbereitschaft (oder Leistungsvermögen) und den BENPACKER am [...]

Ein Wort zum Benpacker

Wie du aus den Tests entnehmen kannst, ist er ein ganz besonderer Begleiter. Wenn das Gewicht passt und er gut beladen ist, dann spürst du ihn nur, wenn es konsequent bergauf geht. Manchmal musst du ziehen wie ein Pferd.

Wir hatten so ziemlich alles dabei an Gelände, was ihn ordentlich gefordert hat - Schlamm, tiefe Spurrinnen, 30 cm breite Wege durch mannshohes Gras und auch steile Passagen.

Der Wagen hatte einen kleinen Ausfall - an der rechten Bremse ist ein Haltestift im schweren Gelände aus der Halterung gesprungen und die Bremse blockierte. Diese Schwachstelle war mir bereits bekannt, so wusste ich, was zu tun war.

Der "Benni" kann bis zu 40 kg tragen, was ich definitiv nicht am Hintern haben möchte und was du nicht einmal zu dritt benötigst. Dementsprechend ist er mit knappen 8 kg Eigengewicht zu schwer.

Für meinen großen Pilgerweg in drei Jahren will ich einen Wagen, der deutlich leichter ist. Er muss auch nur 20 kg tragen können.

"Medizinische" Unterstützung

Aus den Erfahrungen des Jakobsweges 2027 haben wir die gleichen Dinge wie damals eingepackt:

  • Globuli Arnika C30 Muskelschmerzen, sich zerscghlagen fühlen
  • Globuli Cantharis C30 noch geschlossene Blasen
  • Globuli Causticum C30 aufgeplatzte Blasen, die brennen und nässen
  • 1 Blasen "Aufmachset" steril
  • Globuli Echinacea D6 Erkältung fiebrig
  • Hirschtalg Salbe
  • reichlich Compeed
  • Jodsalbe für entzündete Blasen oder kleine Wunden
  • Schmerzsalbe von Ibuprofen (Gelenke, Muskeln)
  • Schmerztabletten Ibuprofen 400 mg
  • Lekopor (extrem dünnes Pflaster ohne Gage bei Ansätzen von Blasen)
  • Magnesium Fluid zum Aufsprühen auf Beinmuskulatur (krasses Zeug, wird über die Haut aufgenommen und wirkt super schnell, will ich einem Langzeittest unterziehen)

Wie du sicher ahnst, wir haben gar nichts davon benötigt, was perfekt ist,

Campingausrüstung

Ja, du hast richtig gelesen, wir hatten ein Zelt von Sierra Design, Liegematten und Schlafsäcke dabei. Wenn wir nicht die Unsicherheit bei einer Übernachtung gehabt hätten, dann wäre der Wagen 6,5 kg leichter gewesen.

Wir haben auch das komplette Futter für Lotta mitgeführt. Dies wog auch 3 kg. Zusätzlich waren Pfötchenschützer mit dabei, die wir allerdings nicht benutzt haben, da es sich deutlich schwerer läuft.

Als Einzel-Pilger wirst du dies definitiv nicht brauchen.

Klamotten und Schuhe

  • Jeder drei T-Shirts
  • 3 mal Unterwäsche
  • 2 Paar Socken
  • Leichte Regenjacke
  • Sonnenkappe
  • Ein leichter Fleece für Abends

Schuhe haben wir beide den Gleichen von Scarpa der Trekkinghalbschuh "ZEN PRO", welcher sich bereits auf den 900 km in Spanien bewährt hat.

Kurzes Fazit

Unsere einhellige Zusammenfassung der 5 wunderbaren, anstrengenden Tag - Unbedingt empfehlenswert. Empfehlenswert wegen der Landschaft, der Organisation, wegen Ungarn.

Mache dich auf DEINEN WEG, sage nicht - JA WENN - mache es einfach.

Deine drei Pilger
Kati, LOTTA und Thomas

Thaddaeus Koroma spricht es aus - MACH ES EINFACH

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About the author 

Thomas Heise

Da "draußen" sind so viele Menschen, die heute 45, 50 oder 60 Jahre alt sind. Sie alle haben so unendlich viel Lebenserfahrung angesammelt und doch sind viele müde geworden. Die ersten Zipperlein des "Alters" plagen, der Job nervt, sie sind ausgebrannt usw. Meine Vision ist es euch Ideen zu geben, mehr Power und Lebensfreude, Lust auf Neues zu wecken und den Mut, vielleicht doch die eine oder andere Veränderung anzugehen. Lasst uns eine Delle ins Universum schlagen...

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