910 Kilometer oder 1.500.000 Schritte mehr zu mir

Von Thomas Heise | Aktivreisen

Nov 15
auf dem spanischer Jakobsweg Camino Francès

Jakobsweg - 1.500.000 Schritte zu mir

Jetzt ist es für mich zur Realität geworden - Ich bin mehr als 900 Kilometer auf dem spanischen Jakobsweg "Camino Francès" gelaufen. Ich bin unendlich dankbar für die Möglichkeit und dafür, dass ich diese Wahl für mich getroffen habe.

Ehrlich gesagt, habe ich vor dem Start gar nicht so viel über den Camino Francès gelesen. Klar, ich habe mir schon vor 6 oder 7 Jahren den deutschen Klassiker "Ich bin dann mal weg" von Harpe Kerkeling reingezogen, ein paar Internetseiten angeschaut. Am Besten hat mir das Buch von Maori Kunigo "..Vom Schisser zum Glückspilz in 26 Etappen" gefallen. Frisch, frech und authentisch.

Diese 830 Kilometer von Saint Jean Pied de Port nach Santiago de Compostela klangen schon groß und bedeutsam, irgendwie doch unvorstellbar oder besser erfassbar.

Am Ende sind dann sogar 910 Kilometer daraus geworden, denn ich bin von Pamplona nach Santiago de Compostela, weiter zum Kap Finisterre, nach Muxia und zurück bis Negreira gelaufen. 

Die Fragen, die mir mittlerweile oft gestellt wurden - Und, was hat es mit dir gemacht? Was hat es dir gebracht? Kann ich noch gar nicht so richtig beantworten. Eine Möglichkeit alles zu verarbeiten werden die Blogbeiträge hier auf dem "Alten Narren" sein. Definitiv wird vieles Erlebte in mein Coaching mit einfließen - Was ist sonst noch möglich?

Jeder läuft seinen Camino

Weshalb ein verlorener Camino-Führer meine Füße rettete

AM 4. Oktober 2017 bin ich 14 Uhr mit dem Flugzeug aus Köln in Bilbao gelandet. In die Stadt kein Problem, direkt vor dem Flughafen fährt der Bus in Richtung Bilbao Busbahnhof und kostet angenehme 1,50 Euro. Mein Anschluss nach Pamplona soll erst 18 Uhr abfahren, ich aber bin bereits 14:30 Uhr in der Stadt.

Hm, 15:30 Uhr fährt ein Fernbus nach Pamplona, ich habe den falschen Fahrschein. Mein erstes Camino-Geschenk, der Busfahrer nimmt mich mit, auch wenn die Zeit nicht stimmt.

So erreiche ich Pamplona bereits 17:30 Uhr. Es ist noch hell und die Herberge "Casa Paderborn", die von deutschen Hostelieros betrieben wird. Regina, eine Mitarbeiterin erledigt die Formalitäten und zeigt mir alles. Für gerade 8 Euro habe ich eine sehr gemütliche und saubere Bleibe für die erste Nacht.

Nach dem Einchecken gehe ich in die Stadt. Auf den ersten Eindruck eine typische spanische Stadt. Häuser, Plätze und auch die Menschen sind freundlich, bunter als bei uns und auch etwas lauter...

Stierkampfarena Pamplona

Die Stierkampfarena in Pamplona

CountDown Zähler Stierrennen

CountDown-Zähler bis zum Stierrennen

spanischer Jamon

Spanischer Schinken - Jamon

Bei der Rückkehr in die Herberge bemerke ich, dass mein Camino-Führer weg ist. Schei...ben Kleister. Als ich dies Kati berichte, sagt sie - Ich schicke dir per Express einen Neuen zu. Also geschaut, wo werde ich in zwei Tagen sein, da ich keine Erfahrungen habe plane ich eher kurze Etappen. Erster Tag bis nach Puenta la Reina 24 km Und der zweite Tage mit nur 21,8 km bis nach Estella. Die Übergabe das Führers klappt (natürlich) nicht in Estella.

Pass Puerto del Perdòn nach Pamplona

Pass Puerto del Perdòn nach Pamplona

Blick vom Pass Puerto del Perdòn

Blick vom Pass Puerto del Perdòn

bekannte Brücke in Puente la Reina

bekannte Brücke in Puente la Reina

Blasenversorgung

Blasenversorgung, so können Füße nach 4 Tagen aussehen

Für mich bedeutet die nicht erfolgte Übergabe, dass wir ein nächstes Ziel vereinbaren, was ich auf jeden Fall erreichen werde. Also auch wieder eher "übersichtliche" Etappen. Knapp 30 km nach Torres del Rio, dann 20 km nach Logrono, wieder knappe 30 km nach Najera usw.

In Belorado klappt endlich die Übergabe in einem netten Hotel. Was hat das jetzt mit den Blasen an meinen Füßen zu tun? Wo ist hier die Erkenntnis? Was passiert ist, habe ich erst später verstanden.

Blasen läufst du dir aus genau vier Gründen:

  • Schlechte Schuhe (passen nicht, nicht eingelaufen)
  • Du läufst zu schnell
  • Du läufst zu große Strecken pro Tag
  • Dein Rucksack ist zu schwer

Da ich die Treffpunkte einhalten musste, konnte ich die Tagesstrecken nicht frei wählen, konnte nicht zu weit und nicht zu schnell laufen. Die Übergabe war am 6. Tag, bis dahin war ich komplett "akklimatisiert" und eingelaufen.

Von diesem Tag an bin ich täglich zwischen 35 und 40, ein paar Mal über 40 km gelaufen. Ich habe am ersten Tag eine Blase an einer Zehe des rechten Fußes bekommen und dann keine einzige dazu.

Ich bin mir heute sicher, der "Zufall" des verlorenen Camino-Führers hat meine Füße und den gesamten Körper geschont, so dass ich über die gesamte gelaufene Strecke von 910 km einen Tagesdurchschnitt von 32 km erreichen konnte.

Und weshalb läuft jeder SEINEN Camino?

Es gibt keine richtige Art und Weise den Camino zu laufen. Jeder der ihn beginnt, wird entweder seine Art und Weise, sein Tempo und seine Tagesstrecken finden oder er wird aufgeben. Ich habe gehört, dass nur etwa 60% der Pilger, die den Camino starten, auch ankommen. Wobei dies sicher von der gesamt gelaufenen Strecke abhängt.

Wenn dun DEINEN Camino läufst, bedeutet dies nicht, dass nicht am Abend die Füße brennen, die Beine schwer sind und die Schultern vom Rucksack etwas verkrampft sind. Dies darfst du erleben und auskosten.

Du läufst deinen camino

Auf dem Camino und auch im "richtigen" Leben musst du dein Tempo, dein "Rucksackgewicht" und deine Tagesstrecke finden, ansonsten besteht die Gefahr, dass du dich überforderst und aufgibst.

Wenn du nicht alleine läufst, dann bist du nicht bei dir?

Zu großen Teilen bin ich am Tage alleine gelaufen und das hat mir gut getan. 5 Tage wurde ich begleitet von Filip einem jungen Tschechen aus Brno. Wir hatten fast das gleiche Tempo und auch so hatten wir sehr viele interessante Gesprächsthemen. Es hat Spaß gemacht, mit ihm unterwegs zu sein.

Filip, mein Begleiter für 5 Tage

Nur Eins habe ich sehr deutlich gespürt, immer wenn ich mit jemandem zusammen gewandert bin, waren meine Gedanken definitiv nicht bei mir. Ich konzentrierte mich stets darauf, was der andere tut, was er erwarten könnte, was gut für ihn wäre. Ich war diese Zeit nicht bei mir.

wenn du nicht allein läufst, fixierst du dich auf den Anderen

Willst du zu dir finden, deine Kreativität auspacken, Erkenntnisse für dich gewinnen, dann habe den Mut lange "Strecken alleine zu laufen".

Ach übrigens, das Erste, was ich auf dem Camino gelernt habe, war Schuhe richtig zubinden. Die ersten Tage hatte ich meine Schuhe im Spann zu straff gebunden. Ergebnis war ein dicker Knöchel und ein Reizung des Schienbeins, was mich etwa 200 km echt geplagt hat.

Manchmal darfst du 200 km laufen, bevor der Schmerz nachlässt

Wie oft geben wir an einem bestimmten Punkt im Leben auf. Dabei könnte es gut sein, dass der "Schmerz" nach den nächsten 10 km aufhört zu existieren. Was ist Schmerz überhaupt?

Unser Körper ist ein unglaublicher Feedback-Mechanismus, nur nutzen wir ihn kaum. Dazu später mehr in einem anderen Beitrag.

Danke, dass du bis hier gelesen hast. Irgendwie ist es mir wichtig meine eigenen Erfahrungen auf DEM WEG mit dir zu teilen.

Hast du Lust den gesamten Weg "zu erleben"? Dann lade ich dich herzlich ein, dich in den Jakobsweg-Newsletter einzutragen. Du bekommst dann alle neuen Informationen, Beiträge automatisch per Mail zugeschickt. Vielleicht ist es die Vorbereitung für DEINEN WEG?

Ganz herzliche Grüße - Buen Camino (guter Weg).
Thomas

PS: Hat dir der Beitrag gefallen, dann freue ich mich auf einen Kommentar. Hast du Fragen, her damit. Sehr gern kannst du den Beitrag mit deinen Freunden teilen...

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Über den Autor

Da „draußen“ sind so viele Menschen, die heute 45, 50 oder 60 Jahre alt sind. Sie alle haben so unendlich viel Lebenserfahrung angesammelt und doch sind viele müde geworden. Die ersten Zipperlein des „Alters“ plagen, der Job nervt, sie sind ausgebrannt usw. Meine Vision ist es euch Ideen zu geben, mehr Power und Lebensfreude, Lust auf Neues zu wecken und den Mut, vielleicht doch die eine oder andere Veränderung anzugehen. Lasst uns eine Delle ins Universum schlagen…

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