Jakobsweg – meine Packliste

Von Thomas Heise | Aktivreisen

Sep 28

Packen beginnt mit der - Jakobsweg Packliste für Pilger

Jetzt wird es ernst. Heute in einer Woche bin ich auf der ersten Tagesetappe unterwegs. Ich habe mich entschieden, dass ich erst in Pamplona starte. Dies sind etwa 80 km hinter SPdP, wo ich eigentlich loslaufen wollte. Der Grund dafür ist ein ziemlich trivialer - ich komme am 4. Oktober von Bilbao nicht weg - Hammer. Nach den Möglichkeiten könnte ich erst am 6. Oktober von SPdP starten und somit einen vollen Tag verlieren. Genau das will ich nicht. Also beginne ich in Pamplona und plane dafür bis Finisterre zu laufen. Dies sind dann unter dem Strich sogar ein paar Kilometer mehr als vorher geplant.

Nun zum Packen...

Es gibt sie wirklich - die Packliste für Pilger. Bei meinem letzten Globetrotterbesuch in der Filiale Dresden habe ich sie entdeckt. Hier kannst du sie dir herunterladen.

Ich bin schon fasziniert, was das alles drin steht. Persönlich habe ich das Glück, eine kompetente Beratung bekommen zu haben. Meine Nachbarin ist den kompletten Camino Frances 2015 gelaufen. Ich durfte Einblick nehmen in ihre Vorbereitungen und natürlich auch von ihren Erfahrungen lernen.

So ganz nebenbei ist sie die Inhaberin der Galenus-Apotheke in Dresden. Sie ist bei uns der Vorreiter für Globulis und Co gewesen, so dass du hier davon ausgehen kannst alternative, hochnatürliche und wirksame Produkte zu bekommen. Weiter unten schreibe ich ihre Empfehlungen für die "medizinische Sicherstellung" auf.

Grundlegende Fragen zur Ausrüstung

In Vorbereitung habe ich mich in zwei Trekking-Geschäften, unter anderem beim Globetrotter in Dresden beraten lassen. Ich war mal echt gespannt, welche Infos ich so bekommen. Schließlich kann ich ein wenig mitreden, da ich in meinem "ersten Leben" 10 Jahre eine Handelsagentur für Bergsport und Trekking hatte.

Interessanter Weise fand ich die Beratungen gut, aber nicht prickelnd. Die Verkäufer hatten jeweils eigene Erfahrungen, wollte mir diese aber recht stark "überhelfen" und gingen wenig darauf ein, was ich will, weiß und mir vorstelle.

Drei Frage beschäftigten mich am meisten... Meinen Wahlen beschreibe ich in den folgenden Artikel. Und ob meine Wahlen auch aufgehen, sich bestätigen, erfährst du nach meiner Reise...

In einem echt geilen Buch über den Jakobsweg bekam ich die Messlatte zur Gewichtsoptimierung vorgegeben. Maori Kunigo ist dem Camino 2009 mit !!!!! 3,5 kg gelaufen. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat. Wenn dich der Camino interessiert, musst du sein Buch "Vom Schisser zum Glückspilz" gelesen haben.

Welchen Rucksack soll ich nehmen?

Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber ich habe noch nicht (final) gepackt. Die Sachen liegen bereit, wurde jedoch noch nicht im Rucksack versenkt.

Die Wahl will ich treffen zwischen zwei Rucksäcken, die ich seit Jahren zu unterschiedlichen Aktivitäten eingesetzt habe.

Der erste ist mein Bike-Rucksack "Transalp 30" von der Firma Deuter. Wie der Name sagt, er wurde für die Überquerung der Alpen mit dem Fahrrad konzipiert und hat ein Volumen von etwa 30 Litern. Klingt für 32 Tage recht knapp oder? Er hat einen hinterlüfteten Rücken, gute Schultergurte und einen Hüftgurt, der sich wirklich fest anziehen lässt, so dass die Hüfte eine Großteil der Last tragen kann. Ein Probepacken hat ergeben, dass alles gut reinpasst. Die Frage ist, ob die Gurte den Komfort für die Tagesstrecke geben.

Der Zweite ist ein Skitourenrucksack von Mammut (ein älteres Modell), der 45 Liter fasst und ein verstellbares und recht bequemes Tragesystem hat. Er liegt sehr gut auf dem Rücken, bringt halt etwa 1 kg mehr Grundgewicht. Der hat natürlich Platzreserven ohne Ende.

Regenponche JA-NEIN?

Regenponcho hin und her, da gab es bei den Beratungen kontroverse Diskussionen. Der großen Vorteil des Regenponchos ist die Tatsache, dass der Rucksack auf dem Rücken mit unter dem Poncho verschwindet. Damit hast du nicht das Problem, dass der Regen an den Schultergurten durch die Jackenmembran durchdrücken kann. Oft wird hier mit irgendwelchen Wassersäulen, die das Jackenmaterial abhalten kann, argumentiert, aber leider wird vergessen, dass im Bereich der Schultergurt deutlich höhere Wasserdrücke entstehen können. 2.000 mm Wassersäule, wie Regenjacken in der Regel verkauft werden, kommen hier echt an ihr Grenzen.

Da ich im Oktober mit Regentagen rechnen muss, habe ich mich für einen Poncho mit Rucksackteil entschieden.

Größter Nachteil der Poncho ist halt das Geflatter bei Wind. Dafür nehme ich mir ein Stück Repschnur (bekommst du im Kletterladen) mit und binde die mir um den Bauch. So sehe ich einem Pilger auch ähnlicher...

Was sind FÜR MICH die optimalen Schuhe?

Bei diesem Thema habe ich lange hin und her überlegt und abgewogen, was besser ist. Da ich schon viele Trekkingtouren und auch Bergtouren gemacht habe, kenne ich die unterschiedlichen Bedingungen. Auf dem Jabobsweg läufst du einen Mix aus Straße mit Alphaltdecke, Wege mit grobem Plaster, Schotterwegen und auch zum Teil bergigen Abschnitten.

Ich musst für mich die Frage beantworten halbhohe Schuhe mit fester Sohle, aber eben ohne Knöchelschutz oder normale Bergschuhe. Letztendlich habe ich mich für halbhohe Bergschuhe von meiner Lieblingsmarke Scarpa entschieden. Die Schuhe habe ich vor einigen Wochen gekauft und eingelaufen, was sehr anzuraten ist.

Wichtig waren mir eine recht steife Sohle mit Vibram und einem sehr gutem Halt auf unterschiedlichstem Untergrund, ein fester Sitz am Fuß und außen Velurleder, innen Syntetic. Eine Membran würde ich für diesen Einsatz nie kaufen, da der sinnvolle Einsatzbereich hinsichtlich der Temperatur stark eingeschränkt ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass du eine Schwitztüte an den Füssen hast ist größer, als komplett nasse Füße. Deshalb wähle ich auch innen Syntetic, da es schneller trocknet. 

Was noch wichtig für mich war - die richtige Größe. Hier habe ich eine sehr interessante Erfahrung gemacht, von der ich hoffe, dass sie sich auch so bestätigt. Mit meinen alten Scarpa-Halbschuhen hatte ich bei langen Touren immer wieder mal Blasen an den Zehenkuppen und einmal sogar blaue Zehennägel. Dies ließ auf einen zu kleinen Schuh schließen. Obwohl ich mir sicher bin, die korrekte Größe ausgewählt zu haben. Aber ich denke, dies hat etwas mit der Fußmuskulatur zu tun, die bis zu einer bestimmten Distanz gut durchhält und dann den Fuß doch etwas absenken lässt.

Also habe ich diesmal eine Nummer größer gewählt, was in der Realität etwa 6 mm ausmacht. Dies scheint jetzt perfekt zu sein. Ich berichte es dir.

Wichtig bei der Entscheidung für Halbschuhe ist deine Trittsicherheit im unebenen Gelände und gute trainierte Fußgelenke. Ich denke, Beides kann ich abdecken.

Was nehme ich noch mit?

Die Erfahrungen aus bisherigen Outdoor-Aktivitäten ist - ich hatte immer zuviel dabei. 30% der Klamotten kamen ungetragen mit dem Rucksack wieder nach Hause. Also habe ich mir vorgenommen, diesmal sehr minimalistisch zu sein.

Ich gehe davon aus, dass ich jeden Tag einen kleinen Teil meiner Sachen wasche. Also beschränken sich die notwendigen Teile auf ein Minimum. Die Jahreszeit bedingt, dass ich sowohl lange Sachen, als auch lange Unterwäsche mitnehme, den im spanischen Hochland (mehr als 1.000 m) kann es jetzt schon empfindlich kalt werden. Ein dünnes Fleecshirt muss trotzdem genügen. 

Bei den Socken habe ich etwas sehr Gutes ausgewählt und zwar habe ich mir die Sommersocken (leichter) von Smartwool gekauft. Die Tests, die ich damit bisher damit gemacht habe, waren echt super.

Hier ist meine Liste, was ich alles einpacke

Klamotten:

  • Regenponco
  • Windjacke und passende Regen abweisende Überhose
  • 2 lange Wanderhosen (sehr dünnes, winddichtes Material)
  • 1 Short aus Syntetic
  • 1 kurze Sporthose mit Inlay
  • 2 Funktions-TShirts, 1 Schaf-TShirt Baumwolle
  • 1 Wanderhemd extrem dünn (zum schick machen)
  • 3 Slip Syntetic
  • 2 Paar Socken Smartwool
  • 1 Unterhemd kurzer Arm
  • 1 Unterhemd langer Arm
  • 1 lange dünne Unterhose
  • 1 Fleece-Shirt
  • 1 Paar Slipper für Nassräume
  • Gamaschen für Starkregen
  • 1 Schlauchmütze
  • 1 Sonnenschutzkappe

Sonstige Ausrüstungsgegenstände:

  • Schlafsack Daune (90/10 Mischung) 800 g
  • Stirnlampe
  • MP3 Player
  • Powerbank zum Nachladen Handy und Co
  • Ladegerät
  • 1 m Repschnur
  • Sonnencreme Alnatura
  • Mini-Waschzeug
  • 2 Handtücher Outdoor (extrem leicht)
  • Geldkatze für Wertgegenstände und Geld
  • 1 kleines Messer, 1 Löffel
  • Wanderstöcke Leki mit Gummikappen und ein Paar Ersatzkappen
  • Ohrenstöpsel und Schlafmaske (das sind wohl in den Pilgerunterkünften die wichtigsten Utensilien...)
  • Personalausweis
  • Flugscheine, Fahrkarte Bahn
  • Schreibzeug (dickes A5 Heft für Notizen) Kuli, Bleistift
  • Kreditkarte mit der du im Ausland kostenfrei abheben kannst ( DKB Cash Konto )

Medizinische Unterstützung:

  • Globuli Arnika C30 Muskelschmerzen, zerscghlagen
  • Globuli Cantharis C30 noch geschlossene Blasen
  • Globuli Causticum C30 aufgeplatzte Blasen, die brennen und nässen
  • 1 Blasen "Aufmachset" steril
  • Globuli Echinacea D6 Erkältung fiebrig
  • Hirschtalg Salbe
  • reichlich Compeed
  • Jodsalbe
  • Schmerzsalbe von Ibuprofen (Gelenke, Muskeln)
  • Schmerztabletten Ibuprofen 400 mg
  • Lekopor (extrem dünnes Pflaster ohne Gage bei Ansätzen von Blasen)
  • Magnesium Fluid zum Aufsprühen auf Beinmuskulatur (krasses Zeug, wird über die Haut aufgenommen und wirkt super schnell, will ich einem Langzeittest unterziehen)

Wow, aufgeschrieben sieht es aus, als ob ich eine Apotheke aufmachen will - krass oder. Ist aber verpackt kaum der Rede wert...

Wohl bis zum letzten Tag werde ich mit der Entscheidung ringen, ob ich meinen Fotoapparat (HS10 700 mm Brennweite) mitnehmen. Das sind halt noch mal 1.300 g inklusive kleines Stativ und Ersatzakkus. Allerding ist es eben eine andere Fotoqualität.

Eine Wasserflasche nehme ich nicht mit, da empfohlen wird, unterwegs Wasserflaschen zu kaufen und sich so zu versorgen.

Wenn ich dann mal eingepackt habe, schreibe ich hier noch das Gesamtgewicht rein. Bin selber gespannt.

Und zum Schluss

Echt, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Jetzt, wo es bald losgeht bin ich ich aufgeregt, die Engländer nennen es Excitement, was viel mehr ausdrückt, als der deutsche Begriff Aufregung. Da schwingt was, das sich gut anfühlt, das Herz schlägt etwas schneller und du weißt noch nicht, was auf dich zukommt.

Drücke mir die Daumen, ich halte dich auf dem Laufenden. Auf der Facebook Fanpage des alten Narren (klicken) werde ich immer wieder mal etwas berichten. Ob ich auch hier zwischendurch etwas schreibe, dass weiß ich noch gar nicht.

Herzliche Grüße und bis ganz bald
Thomas

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Über den Autor

Da „draußen“ sind so viele Menschen, die heute 45, 50 oder 60 Jahre alt sind. Sie alle haben so unendlich viel Lebenserfahrung angesammelt und doch sind viele müde geworden. Die ersten Zipperlein des „Alters“ plagen, der Job nervt, sie sind ausgebrannt usw. Meine Vision ist es euch Ideen zu geben, mehr Power und Lebensfreude, Lust auf Neues zu wecken und den Mut, vielleicht doch die eine oder andere Veränderung anzugehen. Lasst uns eine Delle ins Universum schlagen…

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(2) comments

Simone Böthig 28. September 2017

Das hört sich total spannend an. Und ich wünsche Dir viel Glück, tolle Erlebnisse und jede Menge Erfahrungen auf Deinem Weg! Übrigens Deine Reisapo ist super!
Das Du so wenig wie möglich davon gebrauchen must, bleib fit, gesund und behalte
Deine eigene schöne Art uns teilhaben zu lassen!

Wiederholen
    Thomas 29. September 2017

    Hallo Simone, ja, das ist spannend… Ich werde über meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke berichten. Für die Reiseapo hatte ich eine wirklich super Beratung aus eigenen Erfahrungen heraus. Das macht sehr viel aus.
    Danke, liebe Grüße
    Thomas

    Wiederholen
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